Will München Zustände wie bei Haasenburg?
Ein erschütternder Bericht über Gewalt in Kinder- und Jugendheimen eines privaten Trägers ist für Stadträtin Dagmar Henn Anlass für eine Anfrage.
München, den 19.06.2013
Anfrage: Will München Zustände wie bei Haasenburg?
Am vergangenen Wochenende war in der „taz“ ein längerer Artikel1 über die Zustände in geschlossenen Kinder- und Jugendheimen der Firma Haasenburg GmbH zu lesen. Demnach wird dort mit Unterdrückung und Gewalt agiert, wie es aus der Heimerziehung der Vergangenheit bekannt ist, wenn auch mit neuer pädagogischer Begründung. Es handelt sich um eine Pädagogik, die nicht die Entwicklung zu Selbstbewusstsein fördert, wie es das Kinder- und Jugendhilfegesetz vorschreibt, sondern die die Jugendlichen zu brechen sucht wie ein Militärlager.
Die Darstellung der Zustände in den Haasenburg-Heimen wirft unter Anderem erneut die Frage auf, ob nicht auf Macht und Gewalt aufgebaute Strukturen zwangsläufig ein entsprechendes Verhalten erzeugen, wie es schon das Stanford-Prison-Experiment2 des Jahres 1971 nahelegt. Bei diesem klassischen Experiment wurden die 24 teilnehmenden Studenten zufällig zu Wärtern oder Gefangenen bestimmt. Die „Wärter“ hatten die Aufgabe, die Ordnung im „Gefängnis“ aufrechtzuerhalten. Nach sechs Tagen musste das Experiment abgebrochen werden.
Einige Elemente, wie etwa die Ausgabe von Anstaltskleidung („Deindividuation“, also Unsichtbarmachung des Individuums), oder die starke Betonung von Regeln, die in den Haasenburg-Einrichtungen praktiziert werden, wurden im Stanford-Prison-Experiment als Auslöser ungezügelter Gewalt bewertet.
In die geschlossenen Heime der Haasenburg GmbH werden Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren gebracht; das ist die selbe Altersgruppe und die selbe Zielgruppe, für die auch die geschlossene Einrichtung in München vorgesehen ist. Daher stelle ich folgende Fragen:
Sind die Zustände in den Einrichtungen der Firma Haasenburg dem Jugendamt der Landeshauptstadt bekannt?
Wurden oder werden Münchner Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Firma Haasenburg untergebracht?
Welche Konsequenzen sind aus den Berichten über die Haasenburg-Heime für die Münchner Einrichtung zu ziehen?
- Wie ist es mit der Aufarbeitung der Vergangenheit der Heimerziehung und der im Zusammenhang damit veröffentlichten Position der Stadt München vereinbar, eine Einrichtung zu schaffen, die zumindest ein hohes Risiko des Machtmißbrauchs in sich birgt?
Dagmar Henn
Stadträtin DIE LINKE.
1www.taz.de/Kinderheim-in-Brandenburg/!118139/
Stichwort: 130619_SOZ_DH_Anfrage_Zustaende_Haasenburg
Dateien
- 130619 SOZ DH Anfrage Zustaende Haasenburg
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