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Pflegekräfte an der München Klinik leisten 9820 Überstunden in der Pandemie

„Applaus reicht nicht“ – mit diesen oder ähnlichen Worten wurde in den vergangenen Monaten von vielen Seiten gefordert, dass für Beschäftigte, vor allem in der Pflege, endlich bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Doch trotz Corona-Krise und einem durchaus gestiegenen Bewusstsein für die Situation sind tatsächliche Fortschritte in der München Klinik nicht zu verzeichnen. Es herrscht sogar Rückschritt und Stillstand. Die Krise wird aktuell auf dem Rücken dieser Beschäftigten in der München Klinik ausgetragen.

Stefan Jagel, Fraktionsvorsitzender und Mitglied im Gesundheitsausschuss kritisiert die Geschäftsführung der München Klinik scharf: „Es wird im Stadtrat ständig erzählt, was die Anstrengungen der MüK Geschäftsführung sind, um die Situation der Pflegekräfte zu verbessern -passieren tut aber wenig bis gar nichts. Die vorliegenden Zahlen sind ein Armutszeugnis und ein Alarmsignal, endlich die erforderlichen Verbesserungen auf den Weg zu bringen.“

Irritiert zeigt sich Jagel auch von der Aussage auf die Frage: „Welche Auswirkungen hatte die Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzenverordnung?“ Hier antwortete die MüK: „Für den Zeitraum der Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzenverordnung gibt es keine Auswertungen.“ Die Pflegepersonaluntergrenzenvorordnung sieht insb. eine Mindestanzahl an Pflegekräften z.B. auf Intensivstationen vor.

„Mich macht dieses Verhalten sprach- und ratlos, wenn die Geschäftsführung der München Klinik nicht einmal einschätzen kann, ob die 1:2 Betreuung auf Intensivstation eingehalten werden konnte oder nicht; hier frage ich mich, ob die Geschäftsführung ihren Job richtig macht“, so Stefan Jagel.

Stefan Jagel fordert: „Ich erwarte jetzt von allen Beteiligten, keine schönen Bilder mit dem Gesundheitsminister mehr zu machen, sondern zu handeln. Offen sind zum Beispiel noch das Stadtratshearing mit den Vertretern der Beschäftigten und die Frage der Personalbesetzung in der München Klinik. Dies muss jetzt im Herbst dringend auf den Weg gebracht werden,“ so Jagel abschließend.

Aus einer Antwort des Gesundheitsreferats geht hervor, dass in der München Klinik gGmbH (MüK) 9820 Überstunden von Pflegepersonal im Jahr 2020 geleistet worden sind. 4.508 Stunden wurden den Beschäftigten ausbezahlt. Gleichzeitig waren zum 31.12.2020 146 Stellen in der Pflege in der MüK nicht besetzt. Im Durchschnitt wurden ca. 100 Vollzeitstellen im Pflegebereich in der MüK als Leiharbeiter*innen eingesetzt.

402 Pflegekräfte wurden seit Beginn der Pandemie positiv auf SARS-CoV-2 getestet und für 637 Mitarbeiter*innen in der Pflege Quarantäne angeordnet.

Zwar hat laut Antwortschreiben die München Klinik etwas mehr Eintritte als Austritte in Beschäftigungsverhältnissen zu verzeichnen, insg. 42 Mitarbeiter*innen. Setzte man diese Zahl aber ins Verhältnis der Überstunden und unbesetzten Stellen, ist dies keine positive Entwicklung.


Antwort vom Gesundheitsreferat – 16.09.2021

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Pressekontakt:

Marc Ortmann

marc.ortmann@muenchen.de