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Stefan Jagel

Volldampf für Geothermie jetzt – Ausbaupfad endlich wieder vorlegen

Die Stadtwerke München (SWM) werden beauftragt, dem Stadtrat noch dieses Jahr eine Strategie zum Ausbau der Geothermie mit klarem Maßnahmen- und Terminplan zum Beschluss im Stadtrat vorzulegen.

Die Stadt München bekennt sich darüber hinaus klar zur Geothermie und unterstützt einen beschleunigten Ausbau der Geothermieanlagen mit oberster Priorität. Bei Flächenkonflikten sollte dem Ausbau der Geothermie in Zukunft Vorrang gegeben werden.

Begründung

Noch im Jahr 2016 veröffentlichten die SWM einen ausführlichen Terminrahmen zum Ausbau der Ge-othermie bis ins Jahr 2025 im Rahmen der Fernwärmevision 20401. In einer ausführlichen Pressemitteilung der SWM aus dem November 2016 wurde angekündigt, dass die Geothermieanlage beim Heizkraftwerk Süd bereits Ende 2019 in Betrieb gehen soll. „Bis 2025 wollen die SWM noch drei weitere Geothermieanlagen bauen.2“ Auch in der Broschüre „Gestalter der Wärmewende“ der SWM vom Februar 2019 ist derselbe Satz zu finden3.

Es erstaunt zutiefst, dass selbst angesichts der fortschreitenden Klimakrise und dem im Stadtrat mit breiter Mehrheit angenommen Ausrufung des Klimanotstandes 2019 keine Beschleunigung der eigenen Pläne stattgefunden hat, sondern das genaue Gegenteil. Während die Geothermieanlage am HKW Süd angeblich nun endlich dieses Jahr ans Netz gegangen sein soll, wird es bis 2025 nicht drei weitere Geothermieanlagen im Stadtgebiet geben, sondern null. Die nächste Anlage soll erst 2029 im Michaelibad ans Netz gehen.

Mit diesem Rückschritt beim Ausbau der Geothermie in einer Anfrage konfrontiert, antworteten die SWM, dass sie „ihre Gesamtstrategie für die Geothermie kontinuierlich weiterentwickeln, diese mit zahlreichen Maßnahmen umsetzen, so dass dies zu einem schnelleren Ausbau und Erschließung der geothermischen Wärme in größeren Umfang führt als in den vorangegangenen Planungen.4“ Eine gewagte Aussage, wenn man die Realität mit den früheren Plänen vergleicht. Der Zukauf von schon bestehenden Anlagen im Münchner Süden kann keinen Ausbau im Stadtgebiet ersetzen. Die SWM bezeichnen sich darüber hinaus gerne selbst als „Vorreiter der Tiefengeothermie“. Angesichts der Tatsache, dass etliche Umlandgemeinden seit vielen Jahren weitaus größere Anteile ihrer Wärmeversorgung durch Ge-othermie abdecken5 als München, ist auch diese Selbstbezeichnung durchaus fragwürdig.

Für die verkorkste Energiewende der SWM müssen nun vor allem die Verbraucher*innen der Fernwärme die Zeche zahlen. Um satte 162 % steigerten die SWM innerhalb von nur einem Jahr den Arbeitspreis für die Fernwärme. Für einen Durchschnittshaushalt bedeutet dies knapp 1.000 Euro Mehrkosten pro Jahr. In Umlandgemeinden, die seit Jahren auf Geothermie setzen, wie Unterföhring oder Unterhaching sind die Verbrauchspreise stattdessen nicht einmal halb so hoch.

Das viel zu lange Festhalten an Kohle und Gas rächt sich nun in Zeiten von massiv steigenden Rohstoffpreisen. Aus sozialer und klimapolitischer Sicht ist dies für einen kommunalen Energieversorger nicht akzeptabel. Besonders betroffen von der Preiserhöhung sind Menschen mit niedrigem Einkommen. „Die SWM bedauern die damit verbundene Belastung ihrer Kund*innen sehr6. Ausgehend davon, dass über ein Drittel der Münchner Haushalte an der Fernwärme angeschlossen sind, bedeutet die Preisexplosion bei der Fernwärme Mehreinnahmen für die SWM im dreistelligen Millionenbereich.

Einen konkreten Terminrahmen, wie er noch 2016 veröffentlicht wurde, gibt es aktuell nicht. Auch nicht in der Wärmestudie, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde. Für die Arbeit im Stadtrat ist aber genau ein solcher Zeitplan, der aktuell erst für Ende 2022 geplant ist, von großer Bedeutung, wie der frühere SWM Geschäftsführer Versorgung und Technik Stephan Schwarz 2016 deutlich machte: „Es ist sinnvoll und nachhaltig, bei der Wärmewende mit Bedacht, intensiver Vorplanung und einem klaren Konzept vorzugehen.“ Dies ist aktuell nicht zu erkennen.

In der Vergangenheit wurden Geothermieprojekte auch aus Flächenkonflikten heraus verschoben oder nicht durgeführt (z.B. Perlach und Berg am Laim), obwohl der Flächenverbrauch der Geothermie gering ist. Hier muss sich die Priorisierung der Flächennutzung ändern. Es ist im Sinne des Klimaschutzes, im Sinne der Entlastung der Verbraucher*innen und im Sinne der Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen dringend nötig, dass die Stadt München und die SWM alles Mögliche dafür tun, den Ausbau der Geothermie zu beschleunigen!

Initiative:
Stadtrat Stefan Jagel
Stadträtin Marie Burneleit

Gezeichnet:
Stadträtin Brigitte Wolf
Stadtrat Thomas Lechner


1 https://www.die-umwelt-akademie.de/images/stories/download/Schwarz.pdf (Seite 21)
2 https://www.pressebox.de/inaktiv/stadtwerke-muenchen-gmbh/SWM-Strategie-ist-der-richtige-Weg/boxid/826390
3 Stadtwerke München: Gestalter der Wärmewende, Fernwärme – 100 Prozent klimaneutral (Stand Februar 2019)
4 https://risi.muenchen.de/risi/antrag/detail/6583620?dokument=v6988530
5 https://www.geothermie.de/fileadmin/user_upload/Geothermie/Geothermie_in_Zahlen/Projektliste_Tiefe_Geothermie_2022_Stand_Februar.pdf
6 https://www.swm.de/presse/pressemitteilungen/2022/05-2022/swm-zu-energiepreisen

Link zum RIS: https://risi.muenchen.de/risi/antrag/detail/7188804

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