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Antrag: Tiefengrundwasser schützen – Schluss mit der Verschwendung eines Gemeinguts durch Brauereikonzerne

Stefan Jagel
Stephan van Helden
  1. Die Verwaltung wird beauftragt darzustellen, für welche konkreten Zwecke Brauereien das ihnen fast kostenlos überlassene Tiefengrundwasser tatsächlich nutzen – für die Bierherstellung, für Limonaden und alkoholfreie Getränke oder fürs Putzen von Anlagen und Flaschen.
  2. Tiefengrundwasser darf von Brauereien künftig nur noch dort eingesetzt werden, wo es tatsächlich unersetzlich ist: als Rohstoff für Bier. Die Nutzung für Limonaden, alkoholfreie Getränke sowie für Reinigungs- und Spülzwecke wird beendet. Für diese Anwendungen reicht, wie das Landesamt für Umwelt selbst festgestellt hat, gewöhnliches Trinkwasser völlig aus – es gibt keinen sachlichen Grund, warum eine geschützte Ressource für Notzeiten dafür draufgeht.
  3. Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den Brauereien verbindliche Fristen für die Umstellung auf zweite, aus Leitungswasser gespeiste Reinigungskreisläufe festzulegen.
  4. Die Verwaltung vergibt derzeit keine neuen Genehmigungen und verlängert bestehende nur kurzfristig, bis Ende 2026 das hydrogeologische Gutachten vorliegt – um bei allen künftigen Genehmigungen und Verlängerungen den Zweck der Wasserentnahme präzise und verbindlich auf die Bierherstellung zu begrenzen.
  5. Dem Stadtrat wird spätestens bis 31.12.2026 über Ergebnisse und weitere Schritte berichtet.

 

Begründung:

Tiefengrundwasser ist keine Handelsware, sondern eine über Jahrtausende entstandene, nicht erneuerbare Reserve für den Krisenfall – so hat es der Freistaat selbst 2023 im Landesentwicklungsprogramm festgeschrieben. Genau diese Reserve wird seit Jahren zunehmend von einigen wenigen Brauereikonzerne verbraucht, während die Stadt wegsieht.

Die Zahlen, die die Süddeutsche Zeitung recherchiert hat[1], sprechen eine deutliche Sprache: 2024 entnahmen Brauereien 3,55 Millionen Kubikmeter Tiefengrundwasser – rund 90 Prozent der gesamten Münchner Förderung. Die Menge ist in zwanzig Jahren um knapp 50 Prozent gestiegen, obwohl der Bierkonsum pro Kopf im selben Zeitraum um ein Viertel gesunken ist. Der Grund ist offensichtlich: Es geht längst nicht mehr nur ums Bier. Paulaner selbst räumt ein, dass Spezi und Limonade inzwischen ein Drittel des Gesamtabsatzes ausmachen. Und bei Hofbräu fließt von jedem Liter eingesetztem Wasser mehr als die Hälfte nicht ins Bier, sondern in die Reinigung von Tanks, Rohren und Flaschen.

Dass diese Praxis so lange unbeanstandet lief, hat einen einfachen Grund: Tiefengrundwasser ist für die Brauereien fast geschenkt. Selbst mit dem seit Juli 2026 geltenden „Wassercent" von zehn Cent pro Kubikmeter zahlen sie noch immer nur ein Zwanzigstel dessen, was reguläres Leitungswasser kosten würde. Diese versteckte Subvention auf Kosten der Wassersicherheit aller Münchner*innen ist nicht länger hinnehmbar.

Das Landesamt für Umwelt hat bereits 2023 klargestellt, dass die Nutzung von Tiefengrundwasser zu Spül- und Reinigungszwecken „grundsätzlich nicht zulässig" ist. Die Verwaltung begrenzt bis heute nur die Fördermenge, nicht aber den Verwendungszweck. 

Dieser Antrag richtet sich nicht gegen das Münchner Bier oder die Braukultur der Stadt – die Nutzung von Tiefengrundwasser als Rohstoff für die eigentliche Bierherstellung bleibt unangetastet und ist über die EU-geschützte Angabe „Münchner Bier" ohnehin abgesichert. Es geht um die zusätzlichen, keineswegs notwendigen Verwendungen von Tiefengrundwasser für Limonade, Cola und Reinigung, für die es längst zumutbare Alternativen gibt – wie die Münchner-Kindl-Brauerei beweist.

Im Zweifel für den Schutz einer Ressource, die im Ernstfall über die Trinkwasserversorgung der ganzen Stadt entscheiden kann, und nicht für die Gewinnmargen einzelner Konzerne. Man kann die Menschen nicht zum Wassersparen auffordern und gleichzeitig eine so große Tiefengrundwasserverschwendung dulden. 

 

Initiative: 
Stadtrat Stefan Jagel

Gezeichnet: 

Stadträtin Liliana Parente

Stadträtin Katharina Horn

Stadtrat Arif Haidary

Stadtrat Christian Schwarzenberger

Hier geht's zum Antrag im RatsInformationsSystem: https://risi.muenchen.de/risi/antrag/detail/9814747

 


[1] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/muenchen/muenchen-tiefengrundwasser-brauereien-bier-hitze-trockenheit-klimawandel-wassermangel-e972641/?reduced=true

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