Antrag: Kein Aufsichtsratsposten beim FC Bayern für den Oberbürgermeister

Stefan Jagel

Der Oberbürgermeister übernimmt keinen Aufsichtsratsposten beim FC Bayern München und tritt aus dessen Verwaltungsbeirat zurück, da es als Chef der Verwaltung in beiden Gremien zu Interessenskonflikten kommt. 

 

Begründung
Wie die Abendzeitung berichtet, rückt Oberbürgermeister Dieter Reiter in den engsten Machtzirkel des FC Bayern Münchens auf und bekommt einen Platz im Aufsichtsrat[1]. Zuvor war er schon seit 2017 im Verwaltungsbeirat. Als Oberbürgermeister im Aufsichtsrat einer der größten Sportvereine der Welt zu sein, birgt einige Interessenskonflikte. Als Chef der Münchner Verwaltung kann Reiter nur noch begrenzt neutral agieren, weil er gleichzeitig die Geschäftsinteressen des FC Bayern München vertreten muss. 

Erst vergangene Wochen wurde im Zuge eines Warnstreiks der Gewerkschaft ver.di eine Sonderregel für das DFB-Pokal Spiel des FC Bayern gegen Leipzig erlassen. Die U-Bahnen rollten, um das Millionenspiel möglich zu machen – Eine Extrawurst für den FC Bayern, die für sonst niemanden gewährt wird und das, obwohl der FC Bayern keine ÖPNV-Kombitickets anbietet. Dazu finanziert die Stadt München trotz klammer Kassen jährlich das Prestigeevent der Meisterfeier am Rathausbalkon für einen der reichsten Vereine der Welt[2], während die Stadt beim Sozialen und beim Wohnungsbau massiv Gelder streicht. OB Reiter hat in diesem Zuge immer wieder die Fantasiezahlen einer vom FC Bayern in Auftrag gegebene Studie reproduziert, die den angeblichen ökonomischen Effekt für die Stadt berechnet.

Schon jetzt zeigt sich, dass Reiter nicht neutral agiert, wenn es um den FC Bayern geht. Als Aufsichtsrat ist es auch die Aufgabe, wichtige strategische Entscheidungen im langfristigen wirtschaftlichen Interesse des Unternehmens zu treffen. Diese können oft im Widerspruch zu den Interessen der Stadt stehen. Dass es auch anders geht, zeigte die damalige Stadtschulrätin Beatrix Zurek. Sie verließ 2016 den Verwaltungsrat des TSV 1860 München, als sie Referentin für Bildung und Sport wurde[3]. Sie legte das Amt nieder, „um Interessenskonflikte von vorneherein auszuschließen.“ 

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wieso Reiter sich in Zeiten einer der schwersten Krisen der Stadt ein zusätzliches Amt aufhalst, während er aktuell bei vielen wichtigen Entscheidungen mit Abwesenheit glänzt. So verweigert Reiter seit Jahren Termine um die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM), die wichtigste Maßnahme zum Bau dauerhaft bezahlbarer Wohnungen in der Stadt. Während sich der Oberbürgermeister den wichtigen Themen der Stadt verschließt, spielt er lieber in der Liga der Großkopferten mit und verliert den Bezug zu den normalen Leuten in der Stadt.

 

Initiative:                                                                          Gezeichnet: 
Stadtrat Stefan Jagel                                                Stadträtin Brigitte Wolf

                                                                                              

 

 


[1] https://www.abendzeitung-muenchen.de/sport/fcbayern/muenchens-ob-reiter-steigt-in-die-bayern-machtzentrale-auf-neben-hoeness-und-rummenigge-im-aufsichtsrat-art-1113122

[2] https://www.abendzeitung-muenchen.de/sport/fcbayern/meisterfeier-selbst-bezahlen-streit-um-fc-bayern-auftritt-auf-dem-rathausbalkon-art-1055789

[3] https://www.abendzeitung-muenchen.de/sport/tsv1860/tsv-1860-muenchen-beatrix-zurek-verlaesst-loewen-verwaltungsrat-art-367058