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Anfrage Intendanzwechsel an den Münchner Kammerspielen: Warum ein kostspieliger Neustart trotz Rekordbilanz?

Stefan Jagel, Katharina Horn
Bbb

Die Münchner Kammerspiele blicken unter der Intendanz von Barbara Mundel auf eine außerordentlich erfolgreiche Entwicklung zurück. Mit rund 170.000 Besucher*innen und einer Auslastung von etwa 80 Prozent wurde die erfolgreichste Spielzeit seit Beginn der statistischen Erfassung erreicht. Gleichzeitig genießt das Haus bundesweit hohe Anerkennung durch zahlreiche Einladungen zu Festivals und durch Auszeichnungen. Trotz dieser positiven Bilanz muss das Theater aufgrund des städtischen Konsolidierungskurses erhebliche Einsparungen vornehmen, Stellen abbauen und Budgets reduzieren.

Umso überraschender ist die Ankündigung eines Wechsels an der Spitze des Hauses. Nach aktuellem Wirtschaftsplan ist für den Intendanzwechsel und den künstlerischen Neustart ein Betrag von mehr als einer Million Euro eingeplant – und dies, obwohl die Münchner Kammerspiele gleichzeitig aufgrund städtischer Sparvorgaben Stellen abbauen, Gastspielbudgets kürzen und einen umfassenden Konsolidierungskurs verfolgen müssen.

Es drängt sich die Frage auf, weshalb für einen kostenintensiven Leitungswechsel erhebliche zusätzliche Mittel verfügbar sind, obwohl die derzeitige Intendanz die erfolgreichste Spielzeit in der Geschichte des Hauses mit Rekordbesuchszahlen, hoher Auslastung und überregionaler künstlerischer Anerkennung verantwortet. Vor diesem Hintergrund ist zu hinterfragen, ob ein Intendanzwechsel zum jetzigen Zeitpunkt kulturpolitisch und wirtschaftlich geboten ist oder ob eine Verlängerung der erfolgreichen Intendanz ernsthaft hätte geprüft werden müssen. Der Wechsel der Intendanz eines der bedeutendsten Theater Deutschlands ist eine kulturpolitische Entscheidung von erheblicher Tragweite. Erfolgt ein solcher Wechsel trotz einer historisch erfolgreichen Bilanz und gleichzeitig unter den Bedingungen eines strikten Sparkurses, besteht ein besonderes öffentliches Interesse an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Beteiligung des Stadtrats. Der Stadtrat muss daher umfassend über die Entscheidungsgrundlagen, die entstehenden Kosten, mögliche Alternativen – einschließlich einer Vertragsverlängerung der bisherigen Intendantin – sowie über die Zusammensetzung und Arbeitsweise der Findungskommission informiert werden.

Vor diesem Hintergrund bitten wir den Oberbürgermeister, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Aus welchen fachlichen, kulturpolitischen oder strategischen Gründen soll die Intendanz der Münchner Kammerspiele nach Ablauf der laufenden Vertragsperiode neu besetzt werden?
  2. Wie bewertet das Kulturreferat die Amtszeit von Barbara Mundel hinsichtlich
    1. der Besucherentwicklung,
    2. der Auslastung,
    3. der künstlerischen Qualität,
    4. der nationalen und internationalen Auszeichnungen,
    5. der wirtschaftlichen Entwicklung des Hauses?
  3. Wurde eine Verlängerung des Vertrags der bisherigen Intendantin geprüft oder ihr angeboten?
    1. Wenn ja, wann und mit welchem Ergebnis?
    2. Wenn nein, aus welchen Gründen wurde angesichts der erfolgreichen Entwicklung des Hauses auf eine Prüfung verzichtet?
  4. Wer hat die Entscheidung getroffen, das Verfahren zur Neubesetzung der Intendanz einzuleiten, und auf welcher Grundlage erfolgte diese Entscheidung?
  5. Warum wurde die Ausschreibung nicht auf dem städtischen Portal (Karriere München) veröffentlicht, sondern ausschließlich bei der Beratungsfirma „Kulturexperten“?
  6. Warum wurde in die Ausschreibung nicht das Personal- und Organisationsreferat mit einbezogen, das für städtische Ausschreibung zuständig ist?
  7. Hält angesichts der Haushaltslage das Kulturreferat allein die Ausschreibungskosten zwischen 20.000 und 30.000€ für angemessen?
  8. Wie wird seitens des Kulturreferats sichergestellt, dass der Ansatz eines inklusiven Theaters bei einer Neubesetzung erhalten bleibt?
  9. Wie bewertet das Kulturreferat den Umstand, dass einerseits aufgrund der Haushaltskonsolidierung erhebliche Einsparungen an den Münchner Kammerspielen verlangt werden, andererseits jedoch erhebliche zusätzliche Mittel für einen Leitungswechsel bereitgestellt werden?
  10. Wurde geprüft, ob die für den Intendanzwechsel vorgesehenen Mittel stattdessen zur Stärkung des künstlerischen Betriebs, zur Sicherung von Arbeitsplätzen oder zur Abmilderung der Sparmaßnahmen eingesetzt werden könnten?
    1. Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
    2. Wenn nein, warum nicht?
  11. Welche Rolle spielt der Münchner Stadtrat im Verfahren zur Neubesetzung der Intendanz?
    1. Über welche Schritte wird der Stadtrat informiert?
    2. Welche Entscheidungen sind dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorzulegen?
    3. Wann wurde beziehungsweise wird der Stadtrat über die Einleitung des Findungsverfahrens informiert?
  12. Wie setzt sich die Findungskommission zusammen?
    1. Wer gehört ihr an?
    2. Nach welchen Kriterien wurden die Mitglieder ausgewählt?
    3. Welche externen Sachverständigen oder Beratungsunternehmen werden beteiligt?
  13. Welche Beteiligungsrechte haben die Fraktionen des Münchner Stadtrats bei der Besetzung der Findungskommission und bei der Auswahl der neuen Intendanz?
  14. Welche Beteiligungsmöglichkeiten erhalten die Beschäftigten der Münchner Kammerspiele, der Personalrat sowie Vertreter*innen des Ensembles im Rahmen des Auswahlverfahrens?
  15. Welche fachlichen und kulturpolitischen Kriterien werden der Auswahl einer neuen Intendanz zugrunde gelegt, und werden diese Kriterien veröffentlicht?
  16. Wie stellt die Stadt sicher, dass die nachweislichen Erfolge der vergangenen Jahre – insbesondere die Rekordbesucherzahlen, die hohe Auslastung und die bundesweite künstlerische Anerkennung – angemessen in die Entscheidung über die zukünftige Leitung des Hauses einfließen?
  17. Stimmt die Aussage in der Süddeutschen Zeitung[1], dass ein Brief an den Oberbürgermeister über eine Verlängerung von „einigen Ensemblemitglieder und namhafte mit dem Haus verbundenen Regisseure“ über die Verlängerung unbeantwortet blieb? Wenn ja, aus welchem Grund wurde der Brief nicht beantwortet.

Initiative: 

Stadtrat Stefan Jagel

Stadträtin Katharina Horn

Gezeichnet: 

Stadträtin Liliana Parente

Stadtrat Arif Haidary

Stadtrat Christian Schwarzenberger

 

 


[1] https://www.sueddeutsche.de/kultur/kammerspiele-intendanz-ausschreibung-mundel-muenchen-li.3509940?reduced=true

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