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Antrag* zur dringlichen Behandlung durch den Verwaltungs- und Personalausschuss und den Sozialausschuss Belastungen der Sozialarbeiter*innen in und um München durch die Covid-19

Die Stadtratsfraktion DIE LINKE/DIE PARTEI verlangt für die Sozialarbeiter*innen, die nicht auf auf das Home-Office ausweichen können, einen besseren Schutz vor Covid-19.

Antrag zur dringlichen Behandlung durch den Verwaltungs- und Personalausschuss und den Sozialausschuss

Belastungen der Sozialarbeiter*innen in und um München durch die Covid-19

1. Die Stadt München soll Sorge tragen, dass allen Beschäftigten im Sozialsektor, die nicht auf das Home-Office ausweichen können, da ihre Arbeitsbedingungen dies nicht ermöglichen, Büros und Besprechungsräume zur Verfügungen gestellt werden, in denen zumindest der verordnete Abstand zum Infektionsschutz von 1,5 Metern gewährleistet werden kann.
2. Des Weiteren werden Plexiglas-Schutzscheiben überall dort angebracht, wo Sozialarbeiter*innen in direktem Bürger*innen-Kontakt arbeiten, zum Beispiel in den Räumlichkeiten des Sozialreferats.
3. Den Beschäftigten wird ausreichend Material an Desinfektionsmittel wie Schutzmasken z.B. FFP 2 Masken zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Arbeit weiterhin durchführen können ohne Gefährdung ihrer selbst oder Dritter.
4. Für die Sozialarbeiter*innen der Stadt München werden Hardware-Anschaffungen getätigt, damit diese ihre durch den Corona-Ausbruch veränderten Aufgaben wahrnehmen können. Dies beinhaltet im besonderen Dienst-Handys wie Laptops.
5. Ebenso soll ein Software-Paket organisiert werden, damit der Klient*innen-Kontakt gewährleistet werden kann. Dieses Software-Paket schließt aber nicht nur Programme ein, sondern auch Weiterbildungen für diese Programme, damit die Beschäftigten professionell mit den Klient*innen interagieren können.
6. Die o.g. Punkte sind auch bei den freien Trägern entsprechend umzusetzen und über die Stadt zu refinanzieren.

Begründung:

Während die Eilmeldungen täglich eintreffen, die Bedrohungen der Krise auch im Home-Office näher rücken und jede Form von gewohntem Alltag aufgelöst wurde, müssen sich systemrelevante Berufe neu einrichten und die Krise zu ihrem Alltag machen – im übrigen, in eh schon häufig finanziell prekären Lagen eine Mammutaufgabe
(vgl. www.statistik.bayern.de/presse/mitteilungen/2020/pm107/index.html; zuletzt aufgerufen am 05.04.2020).
In der bundesrepublikanischen Pressewelt ist dabei ein großer Fokus auf die Rettungskräfte, das Personal im Gesundheitssystem sowie Kassierer*innen gelegt worden. Doch nicht nur diese Bereiche sind von der aktuellen Pandemie überrollt worden – auch für die Beschäftigten in der Sozialarbeit heißt es nun: wie ist mit der unbekannten Lage umzugehen? Welche Gefahren und Problematiken drohen in meinem Berufs-Verhältnis? Um darüber mehr zu erfahren, wurde die von ver.di München „Blitzumfrage unter Sozialarbeiter*innen in München und angrenzenden Landkreisen zum aktuellen Kontakt mit Klient*innen / Adressat*innen“ ins Leben gerufen, bei der vom 29.04. bis 09.05. über 300 Sozialpädagog*innen teilgenommen haben.*

Erste Ergebnisse deutet hierbei auf einen akuten Notstand in den Arbeitsfeldern der Sozialarbeiter*innen in und um München. 82,8% der Befragten gaben an, dass sich seit dem Corona-Ausbruch der Kontakt mit ihren Zielgruppen drastisch verändert hat. Die Sozialarbeit in München, die häufig im Vis-a-Vis stattfindet, muss sich nun auch im Home-Office neu erfinden. Dabei geben 46% der Befragten an, dass es an Hardware (wie zum Beispiel Dienst-Handys) mangelt, während gut die Hälfte auch ein Defizit in der Software feststellt (wie zum Beispiel an Chat-Apps). So stehen die Beschäftigten vor der Schwierigkeit, dass viele von ihren Klienten weder die Ausstattung mit noch die Kenntnis über PCs, Laptops, Handys haben, damit man zum Beispiel via Zoom persönliche Gespräche führen kann.
Ebenso gibt es große Problematiken in den Fällen, die nicht durch Fernkontakt aus dem Home-Office geklärt werden können, sondern direkten Kontakt verlangen. In dieser Situation vermissen 50,4% persönliche Schutzausrüstung, es gibt zu wenig Desinfektionsmittel, zu wenig Masken, zu wenig Handschuhe – für das Personal wie für das Klientel. Ebenso berichten 51,9%, dass es keine Plexiglas-Schutzeinrichtungen gibt für Beratungsgespräche in den Büroräumen. Während sicherlich angeführt werden könnte, dass in diesem Fall auf größere Räume ausgewichen werden sollte, melden viele Beschäftigte immer wieder an, dass die Räumlichkeiten bereits vor Covid zu klein waren, sie sich jetzt aber nicht an den einzuhaltenden Abstand von 1,5 Metern halten können. Große Sorgen werden sich auf Seiten der Beschäftigten natürlich auch um die Klient*innen, die zum großen Teil extrem von dem Covid-Ausbruch betroffen sind, wie alleine der traurige Fall um den verstorbenen Mirkan K. beweist (vgl. www.sueddeutsche.de/muenchen/coronavirus-muenchen-fluechtling-gestorben-1.4895158; zuletzt aufgerufen am 08.05.2020).
Fraktion DIE LINKE. / Die Partei
Initiative: Stefan Jagel

Marie Burneleit   Thomas Lechner    Brigitte Wolf
Mitglieder des Stadtrats

*Quelle:

https://muenchen.verdi.de/branchen/gemeinden/++co++1d6fb844-9072-11ea-b0ac-001a4a160111

 

Originalvorlage als PdF-Dokument