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Antrag (in Bearb.): München als grüne Stadt Durch Klimaresilienz-Maßnahmen Gesundheits- und Klimaschutz vereinen

Die grüne Stadtratsfraktion DIE LINKE/DIE PARTEI schlägt eine Reihe von Klimaresilienz-Maßnahmen vor, um Gesundheits- und Klimaschutz zu gewährleisten.

Antrag:

München als grüne Stadt

Durch Klimaresilienz-Maßnahmen Gesundheits- und Klimaschutz vereinen
Der Stadtrat möge beschließen:
• Aufwertung der Straßenraumqualität in sämtlichen Straßen unter Ausstattung mit beidseitigem Baumbestand und/oder kleinteiligen Grünflächen durch Entsiegelung zulasten des stehenden/rollenden motorisierten Individualverkehrs (MIV). Die entsprechenden Straßen werden mind. alle 30 Meter mit Bäumen ausgestattet. Sollte dies aufgrund baulicher Gegebenheiten nicht möglich sein, wird die LHM angehalten, für diese Standorte die Entscheidung schriftlich zu begründen und stattdessen Hecken und kleinteilige Grünflächen (Wildblumenwiesen, Stauden, Gehölze…) zu schaffen.
• Bereits bestehendes Straßenbegleitgrün wird bereits im Sommer 2020 zur Nutzung durch die Bewohner*innen und lokale Gastronomie freigegeben. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Bezirksausschüssen. Die Stadt schafft eine zentrale Stelle, bei der Anwohner*innen Nutzungsvorschläge im Sinne der grünen Aufwertung oder gemeinschaftlichen Nutzung des Straßenraumes machen können (Hochbeete, Urban Gardening, Nutzung für Nachbarschaftsprojekte, Gastronomie etc.). Über diese Stelle werden die Flächen ohne große Hürden (Versicherungen, Haftungsfragen etc.) zur Verfügung gestellt.
• Spannung eines grünen Netzes (Biotopverband) durch die Stadt. Alle Bürger*innen müssen eine (nicht-kleinteilige) Grünfläche (Park, öffentl. Garten etc.) in weniger als 10 Gehminuten erreichen können. Inspiration dafür können sogenannte „städtische Miniaturwälder“ sein.1
• Die LHM stellt den Münchner*innen mind. 15 % der großteiligen Grünflächen für Urban Gardening, Kunst-/Kulturprojekte, Begegnungsstätten, o.ä. zur Verfügung. Bei allen bereits bestehenden Grünflächen erfolgt eine schnelle Realisierung, damit gerade den von Corona-Maßnahmen besonders betroffenen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, den städtischen Raum als Naherholungsraum bestmöglich zu nutzen.
• Bei den neu entstehenden sowie bereits bestehenden Grünflächen/Straßenbegleitgrün ist darauf zu achten, dass der Pflanzenbestand über eine hohe ökologische Wertigkeit verfügt. Zusätzlich müssen die Baum- sowie Gehölz-/ Staudenarten entsprechen der vor Ort bestehenden Standortfaktoren (Wind, Klima etc.) ausgewählt werden, robuste, trockenheitsverträgliche und frostharte Pflanzen sind zu verwenden. Wenn möglich wird Obst zur Nutzung der Anwohner*innen gepflanzt, Stichwort „Essbare Stadt“

Begründung:

Die aktuelle Corona-Krise zeigt, welch fatale Folgen Luftschadstoffe für die menschliche Gesundheit haben können: Menschen in Gebieten mit hoher Luftschadstoffbelastung reagieren aufgrund eines vorgeschädigten Atemwegs- und Herz-Kreislaufsystems auf eine Sars-CoV-2-Infektion empfindlicher und nicht selten endet diese tödlich. Zu den Risikofaktoren für eine erhöhte schadstoff- und hitzebedingte Mortalität gehören Alter, chronische Erkrankungen sowie Faktoren, die mit niedrigerem sozioökonomischem Status und bestimmten Wohnbedingungen verbunden sind2. Menschen, die von Pandemien wie Sars-CoV-2 besonders betroffen sind, sind in der Regel dieselben Menschen, die bezüglich klimawandelassoziierten Gesundheitsrisiken besonders gefährdet sind.

Die Mortalität in Europa wird laut WHO mit jedem zusätzlichen Grad Celsius Lufttemperatur voraussichtlich um 1-4% ansteigen3. Neben steigender Mortalitätsraten durch Hitzestress verstärken steigende Temperaturen die Luftverschmutzung durch Feinstaubpartikel und Schadgase und damit deren gesundheitlichen Auswirkungen. Laut WHO gibt es in den Städten weltweit ca. 1,2 Mio. Todesfälle pro Jahr, die auf durch Luftverschmutzung verursachte Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen sind. Städte reagieren besonders sensibel auf den Klimawandel – Bebauung und Flächenversiegelung verstärken die Erwärmung v.a. in den Stadtkernen und schränken den Luftaustausch ein4. Dies führt dazu, dass der Lufttemperaturunterschied zwischen Innenstädten und Umland bis zu 10°C betragen kann5.

Das Handeln in Sachen Klimaschutz muss daher auch auf kommunaler Ebene stattfinden. Eine Flächen-Entsiegelung und Begrünung wirken einer Aufheizung des städtischen Raumes entgegen. Durch die Schaffung von Baumbeständen oder selbst kleinräumiger Grünflächen kommt es durch stärkere Verdunstung sowie Schattenwurf zu Temperatursenkungen um bis zu 6°C. Baumbestand in Nähe von Straßen filtert neben Lärm vor allem Luftschadstoffe und trägt so zu einer höheren Lebensqualität und vor allem zu einer verbesserten Gesundheit.

Eine Begrünung des Wohnumfelds und des Straßenraumes erweist sich nicht nur in gesundheitlichen Krisen als protektiv, sie dient zudem der Steigerung des Wohlbefindens der Menschen und als Maßnahme gegen Artenvielfalts- und Biodiversitätsverlust. Generell gilt aber: neben Anpassungsmaßnahmen muss der Ausstoß direkt gesundheitsschädigender Treibhausemissionen (u.a. Ozon, Stickstoffoxide, Ruß…)6 durch den Kraftverkehr/MIV zugunsten von ÖPNV, Fuß- und Radverkehr reduzieren werden. Die Reduktion unmittelbar gesundheits-schädigender Emissionen als gesundheitsfördernde Maßnahme geht mit der Reduktion von Emissionen einher, die als Treibhausgase zum Klimawandel beitragen. Die LHM muss die ökologisch-soziale Transformation gesundheits- und klimaschutzpolitisch gerade in Anbetracht der Coronakrise entschlossen und engagiert angehen.

Initiative: Brigitte Wolf und Marie Burneleit
Stefan Jagel
Thomas Lechner

Mitglieder des Stadtrats
1 www.weforum.org/agenda/2020/07/tiny-urban-forests-miyawaki-biodiversity-carbon-capture2 Robert Koch Institut (2010): Klimawandel und Gesundheit Ein Sachstandsbericht
3 WHO (2008), Taking action to protect health in Europe from climate change. World Health Organization Europe,Copenhagen
4 Ritschel: Klimaanpassungsstrategien in Bielefeld – Ein erster Erfahrungsbericht. In: Klimawandel und Gesundheit (2013)
5 Baumüller (2008): Stadtklima und Stadtplanung im Klimawandel. In: UVP-Report, Heft 5/2008
6 Zacher: Klimawandel, Gesundheit und Klimaschutz. In: Klimawandel und Gesundheit (2013)

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