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Antrag (in Bearb.): FC Bayern – Aushängeschild Münchens – auch für Menschenrechte in Katar!

Die Stadtratsgruppe DIE LINKE sowie die Fraktionen DIE GRÜNEN/RL, ÖDP und FDP fordern den FC Bayern auf, sich mit der Menschenrechtslage in Katar kritisch auseinanderzusetzen.

FC Bayern – Aushängeschild Münchens – auch für Menschenrechte in Katar!
Antrag

Der Stadtrat fordert den Oberbürgermeister als Mitglied des Verwaltungsbeirates des FC Bayern München dazu auf, sich dafür einzusetzen,

 dass der FC Bayern München das Emirat Katar öffentlich dazu auffordert, detaillierte Daten zu den Todesfällen migrantischer Arbeiter*innen in Katar seit 2013 zu veröffentlichen und eine unabhängige Untersuchung zu diesen Toten zu beauftragen.

 einen Runden Tisch zur Menschenrechtssituation einzuberufen. Teilnehmen sollten dabei Vertreter*innen des Vereins, vor Ort aktiver Menschenrechtsorganisationen (z.B. Human Rights Watch, Fair/Square Projects, Humanity United oder Amnesty International), Arbeitsmigrant*innen aus Katar und der Politik.

 den FC Bayern zu einem Bekenntnis zur Bedeutung der Menschenrechte für die Kultur des Vereins zu motivieren sowie zu einer Selbstverpflichtung zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards in seinen Geschäftsbeziehungen.

Begründung:

Der FC Bayern München absolviert seit 2011 sein alljährliches Wintertrainingslager im Emirat Katar. Darüber hinaus besitzt der Verein seit Juli 2018 über Qatar Airways eine Sponsoring-Partnerschaften mit der staatlichen Fluggesellschaft Katars, die mit jährlich 10 Millionen Euro dotiert ist.

Katar nutzt den Einfluss im Fußball, um sich mit dem positiven Image internationaler Vereine zu schmücken. Dafür investierte das Land in den letzten Jahren hunderte Millionen Euro in Fußballklubs aus ganz Europa. Gleichzeitig steht das Land seit Jahren wegen der Ausbeutung migrantischer Arbeiter*innen in der öffentlichen Kritik. Amnesty International kritisiert, dass grundlegende Menschenrechte nicht eingehalten werden. Nicht selten sehen sich die häufig aus Südostasien stammenden Arbeiter*innen sklavenähnlichen Bedingungen ausgesetzt. Tausende Arbeiter*innen verloren in den letzten Jahren durch die widrigen Arbeitsbedingungen ihr Leben.1 Untersuchungen zu den Todesfällen sind von staatlicher Seite nicht gewollt. Leidtragende sind dabei vor allem die betroffenen Familien, denen Gerechtigkeit verwehrt wird. Von den katastrophalenArbeitsbedingungen berichteten im Januar zwei nepalesische Arbeitsmigranten des selbstorganisierten Arbeiter*innen-Netzwerks „shramik sanjal“ im Rathaus mehreren Stadträt*innen.

Der FC Bayern München ist eines der bekanntesten Aushängeschilder Münchens. Es ist daher im Sinne der Stadt, dass der weltweit auftretende Verein im Einklang mit den Menschenrechten und
den Werten der Stadt agiert. Die Verantwortlichen des FC Bayern schweigen jedoch über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen. Sie verweisen gerne auf Verbesserungen, die in den letzten Jahren bei der Menschenrechtssituation in Katar erzielt worden seien. Es bleibt jedoch unklar, worin diese Verbesserungen tatsächlich bestehen. Die Zurückhaltung des FC Bayern in dieser Frage stößt auch bei vielen seiner Fans auf Kritik, die eine aktivere Rolle des Vereins für die Menschenrechte in Katar einfordern. Ein Runder Tisch mit Vertretern des Vereins, der oben genannten Menschenrechtsorganisationen sowie Arbeitsmigrant*innen aus Katar und der Politik wäre ein angemessener erster Schritt, um auf eine Verbesserung der prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler hart arbeitender Menschen hinzuwirken, die auf den Stadion-Baustellen in Katar die Voraussetzungen für den internationalen Profi-Fußball schaffen.

Dass es auch anders geht, als es der FC Bayern praktiziert, hat die Chefetage des FC Liverpool vergangenes Jahr bewiesen, als sie die Arbeitsbedingungen in Katar und den Tod eines Arbeiters thematisierten. Der FC Liverpool bekennt sich darüber hinaus in einer öffentlichen Stellungnahme zur Einhaltung der Menschenrechte als „wesentlichen Teil seiner sozialen Verantwortung“. Diese Stellungnahme beinhaltet auch die Ablehnung von Menschenhandel und „moderner Sklaverei“ und listet einen Katalog entsprechender Maßnahmen auf.2 

Initiative

Brigitte Wolf
Cetin Oraner

Die Linke

Anna Hanusch
Anja Berger
Dr. Florian Roth
Jutta Koller

Die Grünen – Rosa Liste

Sonja Haider
Tobias Ruff
Johann Sauerer

ÖDP Fraktion

Thomas Ranft

FDP-Stadtratsfraktion

Mitglieder des Stadtrats

1https://www.theguardian.com/global-development/2019/oct/02/revealed-hundreds-of-migrantworkers-dying-of-heat-stress-in-qatar-each-year
 

2 https://www.liverpoolfc.com/corporate/anti-slavery

 

Originalvorlage als PdF-Dokument