Dokumente von DIE LINKE. Stadtratsgruppe München sind wie folgt benannt:
DATUM + REFERAT/ADRESSAT + AUTORIN + BESCHREIBUNG + DATEIENDUNG
Referat/AdressatIn | |
Kürzel | Referat/AdressatIn |
BAU | Baureferat |
DIR | Direktorium |
EXT | sonstige |
KLT | Kulturreferat |
KOM | Kommunalreferat |
KVR | Kreisverwaltungsref. |
OBM | Oberbürgermeister |
PLA | Referat für Stadtplanung und Bebauung |
POR | Personal- und Organisationsreferat |
RAW | Referat für Arbeit und Wirtschaft |
RGU | Referat für Umwelt und Gesundheit |
SCH | Schul- und Kultusreferat |
SOZ | Sozialreferat |
SKA | Stadtkämmerei (Finanzen) |
AutorIn | ||
Kürzel | Name | Funktion |
BW | Brigitte Wolf | Stadträtin |
DH | Dagmar Henn | Stadträtin |
OA | Orhan Akman | Stadtrat |
MF | Martin Fochler | Mitarbeiter |
MS | Mario Simeunovic | Mitarbeiter |
TK | Tino Krense | Mitarbeiter |
Das Mittwochsmagazin von Radio LORA 92,4 MHz führte ein Interview mit Stadträtin Henn, welches als Audiodatei anhörbar und abrufbar ist.
Zum Interview auf Radio LORA 92,4 MHz
Das Interview beginnt ab 00:33:50
München, den 28. Juni 2011
In gemeinsamer Sitzung der Ausschüsse für Soziales, Arbeit und Wirtschaft wurde heute die aktuelle Situation im Jobcenter München beraten. Verborgen zwischen verschiedensten Detailfragen findet sich ein Auftrag an den Oberbürgermeister, der von besonderer Brisanz ist.
Das Bundessozialgericht hatte am 13. April 2011 in einer richtungsweisenden Entscheidung (AZ: B 14 AS 98/10 R) Betroffenen, die zu Arbeitsgelegenheiten (AGH) nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch angehalten werden und bei denen diese AGH die Voraus-setzung der Zusätzlichkeit nicht erfüllen, eine Entlohnung in Höhe des geltenden Tariflohns zugebilligt. In der Folge verschärfte auch die Bundesagentur für Arbeit die Anforderungen an die gemeinhin "Ein-Euro-Jobs" genannten Maßnahmen. In der Beschlussvorlage erklärten nun die zuständigen ReferentInnen, Brigitte Meier und Dieter Reiter, dadurch seien die meisten der Münchner Ein-Euro-Jobs "bedroht". Ihre Konsequenz daraus: der Münchner Oberbürgermeister wurde nun beauftragt, sich in Land und Bund für die Aufhebung der Anforderung der Zusätzlichkeit einzusetzen, indem "auch ‚marktnahe’ Beschäftigung durch Soziale Träger möglich wird".
Ein Änderungsantrag von Stadträtin Dagmar Henn von DIE LINKE im Stadtrat München, stattdessen solche "marktnahe" Beschäftigung auch marktnah, also sozialversicherungspflichtig, zu gestalten, wurde mehrheitlich abgelehnt.
Dazu erklärt Stadträtin Dagmar Henn:
Mit den sogenannten Arbeitsgelegenheiten oder Ein-Euro-Jobs hat seinerzeit eine rot-grüne Bundesregierung einen Zwang zur Arbeit geschaffen. Entgegen allen Beteuerungen und frommen Wünschen taugen Ein-Euro-Jobs nachweislich nicht zur Vermittlung von Erwerbslosen in den ersten Arbeitsmarkt.
Wer in unserer Gesellschaft, aus welchen Gründen und unter welchen Umständen auch immer, marktnahe Dienstleistungen erbringt, der gehört ordentlich bezahlt. Der Ausweg aus dem Problem, das die Münchner Beschäftigungsprojekte jetzt haben, kann nur in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung liegen und nicht in einer Ausweitung von Ein-Euro-Jobs. Wer diesen Staat zuerst durch Steuergeschenke verarmt, darf nicht im nächsten Schritt, die Notlage von Erwerbslosen zur zwangsweisen Erledigung von Aufgaben im öffentlichen und gemeinnützigen Interesse ausnutzen.
Die Münchner SPD will jetzt die Anforderung der Zusätzlichkeit streichen lassen. Sie kann nicht im Ernst glauben, die Wirkung auf den Arbeitsmarkt ließe sich auf ein paar hundert Ein-Euro-Jobs in München beschränken. Das ist ein arbeitsmarktpolitischer Amoklauf, dem nur wenige handwerkliche Tätigkeiten entrinnen dürften.
Die Arbeitsgelegenheit nach dem SGB II tritt dadurch in direkte Konkurrenz mit regulär bezahlter Beschäftigung. Die Betroffenen sollen „ordentliche“ Arbeit leisten, bleiben aber weiterhin rechtlos:
Betroffene sind bei Androhung des Entzugs der Existenzgrundlage gezwungen, eine vollwertige, marktnahe Arbeitstätigkeit zu verrichten.
Sie besitzen keine betriebliche Interessenvertretung und dürfen sich nicht organisieren.
Sie erhalten keine angemessene tarifliche oder marktgerechte Vergütung.
CSU wie FDP lassen mit ihrer Zustimmung Unternehmen in Stich, die durch diese Pläne direkt in ihrer Existenz bedroht werden. Es geht bei einer Gesetzesänderung beleibe nicht nur um einige Münchner Umzugshelfer und Hausmeister. Die erwünschten "marktnahen" Ein-Euro-Jobber ermöglichen einen Marktauftritt ohne unternehmerisches Risiko. Man wird sich noch wundern, welche Dienstleistungen in Zukunft wieder kommunal erledigt werden, durch Hartz-IV Handwerker in städtischen Werkstätten oder bei sozialen Trägern. Oder gar welche Unternehmen mit dem neuen Dumping-Sektor als Geschäftsmodell reguläre Handwerksbetriebe vom Markt fegen.
Die Münchner CSU und FDP stehen mit ihrer Zustimmung auch gegen die eigene Bundesregierung, die in ihrem Gesetzesentwurf [PDF 846 KB, Neuregelung Arbeitsgelegenheiten auf Seite 137] zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt die Anforderung der Zusätzlichkeit noch um die der Wettbewerbsneutralität erweitert hat. Die Münchner Stadtratsmehrheit hat damit im Wettlauf des arbeitsmarktpolitischen Wahnsinns klar die Nase vorn.
Dagmar Henn
Stadträtin DIE LINKE.
Welche Interessen verfolgt die Arbeitsmarktpolitik der Landeshauptstadt München?
Referentin: Stadträtin Dagmar Henn, DIE LINKE. im Stadtrat München
Montag, den 04. 07. 2011
um 18:00 Uhr
Großes Nebenzimmer
im Bürgerheim
Bergmannstr. 33
80339 München
Eine Veranstaltung von OWUS und LiU Bayern
Stichwort: 110628_SOZ_DH_aenderungsantrag_jobcenter