Dokumente von DIE LINKE. Stadtratsgruppe München sind wie folgt benannt:
DATUM + REFERAT/ADRESSAT + AUTORIN + BESCHREIBUNG + DATEIENDUNG
Referat/AdressatIn | |
Kürzel | Referat/AdressatIn |
BAU | Baureferat |
DIR | Direktorium |
EXT | sonstige |
KLT | Kulturreferat |
KOM | Kommunalreferat |
KVR | Kreisverwaltungsref. |
OBM | Oberbürgermeister |
PLA | Referat für Stadtplanung und Bebauung |
POR | Personal- und Organisationsreferat |
RAW | Referat für Arbeit und Wirtschaft |
RGU | Referat für Umwelt und Gesundheit |
SCH | Schul- und Kultusreferat |
SOZ | Sozialreferat |
SKA | Stadtkämmerei (Finanzen) |
AutorIn | ||
Kürzel | Name | Funktion |
BW | Brigitte Wolf | Stadträtin |
DH | Dagmar Henn | Stadträtin |
OA | Orhan Akman | Stadtrat |
MF | Martin Fochler | Mitarbeiter |
MS | Mario Simeunovic | Mitarbeiter |
TK | Tino Krense | Mitarbeiter |
Der Stadtrat möge beschließen:
1. Die Landeshauptstadt München gratuliert Pyeongchang herzlich zur erfolgreichen Bewerbung und freut sich mit den Aktiven und Sportbegeisterten auf erfolgreiche und schöne Winterspiele in Südkorea.
2. Der Stadtrat bedankt sich herzlich bei allen Aktiven und Sportbegeisterten, die die Münchner Bewerbung unterstützt haben.
3. Angesichts der klaren Niederlage gesteht sich München ein, dass die Stadt als Ausrichter Olympischer Winterspiele nicht geeignet ist. Eine erneute Bewerbung für Olympische Winterspiele wird es deshalb mit München nicht geben.
4. Die Bewerbergesellschaft erhält den Auftrag, einen Abschlussbericht zu erstellen, der sich mit den strukturellen Schwächen der gescheiterten Bewerbung auseinandersetzt. Anschließend wird die Gesellschaft zum Jahresende 2011 aufgelöst.
5. Der Abschlussbericht fließt ein in die Vorbereitung eines Kongresses der Städte und Gemeinden Südbayerns zur Frage: „Wie weiter mit dem Wintersport und sportlichen Großereignissen in den Alpen und im Voralpenland?“
Begründung:
Als südlichste Großstadt Deutschlands zeigt München seine besten Seiten im Sommer und nicht im Winter. So hat sie sich – in Partnerschaft mit Umlandgemeinden und der Nachbarstadt Augsburg – als Ausrichterin der Olympischen Sommerspiele 1972 bewährt.
Der Ruf und die Anziehungskraft Münchens haben sich als erfolgreiche Stadt im Land Bayern entwickelt. Die Reize der Natur, die kleinen und großen Städte spielen mit. Der internationale Blick fällt nicht nur auf die Stadt, sondern auch auf die Region. Nicht nur auf die urbane Atmosphäre der Kernstadt, sondern auf den freundlichen und weltoffenen ländlichen Raum und seine Geschichte.
Nach der eindeutigen Niederlage der Münchner Bewerbung ist ein „Weiter so“ oder ein „Noch einmal“ lediglich eine Trotzreaktion. Die Stadt muss aus diesem Fehlschlag lernen: Im internationalen Wettbewerb müssen Stadt und Land ihre starken Seiten gemeinsam ausspielen. Bekanntheit, guter Ruf und Beliebtheit der Stadt machen sie nicht für alles geeignet – insbesondere nicht für Wintersport in natürlicher Umgebung.
München als Zentrum der Region ist nicht die Herrin des Umlands. Wenn sich das Münchner Kindl als Herrschaft aufspielt, so schädigt dies die Kultur der Zusammenarbeit in der Region. Eine Planung oder Bewerbung für sportliche Großereignisse kann nur in Kooperation mit der ganzen Region erfolgreich sein. Vor allem über eine Bewerbung für Olympische Spiele müsste schon lange vorher ein breiter Konsens in der Region und in der Bevölkerung hergestellt werden. Denn diese Spiele sind kaum mehr ein Fest der Völker der Welt, sondern vielmehr kapitalgetriebenes Spektakel und ein gutes Geschäft für das IOC.
Es ist dringend erforderlich, dass der Stadtrat einer erneuten Olympiabewerbung 2022 eine Absage erteilt. Eine erneute Bewerbung würde zahlreiche für München wichtige Projekte (z.B. Übernahme des Bundeswehrgeländes an der Dachauer Straße mit anschließender Wohnbebauung, Entscheidung über die Finanzierbarkeit des 2. S-Bahn-Tunnels, Ertüchtigung des S-Bahn-Netzes auch in den Außenbereichen, Vernetzung von U- und S-Bahn in Pasing und Englschalking) um weitere vier Jahre verzögern. Die ganze Stadt und die städtische Verwaltung würden sich weiterhin auf das IOC konzentrieren wie das Kaninchen auf die Schlange, anstatt sich mit den anstehenden Strukturproblemen in der Stadt und der Region zu befassen: Wohnungsmangel, Ausbau öffentlicher Nahverkehr, Ausbauprogramm für Schulen und Kinderbetreuung, rapider Anstieg der Altersarmut, Verfestigung eines Niedriglohnsektors, mit dem man in München nicht auskommen kann, um nur einige zu nennen.
Und noch dazu mit höchst ungewissem Ausgang: Auch Salzburg hat es nichts genutzt, sich dreimal für die Olympischen Winterspiele zu bewerben. Solch verlorenen Jahre kann sich München nicht leisten.
Brigitte Wolf
Stadträtin der LINKEN.
Eingebildete Haupt- und Weltstadt oder weltoffene Stadt – München am Scheideweg
Beitrag Brigitte Wolf und Martin Fochler in den Münchner Lokalberichten Nr. 14, 8. Juli 2011.